Match.com Erfahrungsbericht

Über match.com haben wir erst vor kurzem hier einen ausführlichen Artikel veröffentlicht. Doch ich möchte erneut auch von meinen persönlichen Erfahrungen berichten.

match.com war die erste Singlebörse, bei der ich mich angemeldet habe. Nach einer Flaute im Liebesleben wollte ich mal was Neues ausprobieren. Match.com wurde mir von einer Freundin empfohlen und spontan meldete ich mich an einem äußerst verregneten Tag im Juli 2012 an. Vom Design und der Aufmachung sowie den Funktionen gefiel mir die Seite auf Anhieb. Besonders das Anlächeln fand ich von Anfang an toll, denn ich war zu Beginn noch etwas schüchtern, auch wenn es um Online-Dating ging. Das Anlächeln war die perfekte Funktion, ich konnte den männlichen Singles die Wahl lassen, mir zu antworten oder eben nicht. Gleichzeitig war es aber auch nicht zu viel Aufwand und man musste sich keine lange Nachricht ausdenken.

Die ersten Kontakte waren oberflächlich und es kam nie zu einem Treffen. Es war nicht wirklich jemand interessantes dabei.

Dann traf ich Felix. 27 Jahre, fester Job, seit einiger Zeit Single und es schien auch sonst gut zu passen. Wir trafen uns einige Male, verstanden uns gut und verbrachten einige Wochenenden zusammen. Nach ein paar Wochen jedoch wurde relativ schnell klar, dass er es gerne auf diesem Level halten wollte: eine nette Bekanntschaft fürs Wochenende, nichts, dass man den Freunden vorstellen würde. Ich verdrängte die Tatsache noch eine Weile, doch vier Monate nach unserem Kennenlernen war dann endgültig Schluss.

Ich stürzte mich gleich anschließend wieder voll ins Online-Dating und hatte bereits nach kurzer Zeit wieder ein Date. Matthias, 22 Jahre, aus dem tiefsten Schwarzwald. Wie tief und wie viel Hinterwäldler in ihm steckte, sollte ich schon bald merken. Doch beginnen wir am Anfang.

Er hatte mich bereits im September, als ich anfing mich mit Felix zu treffen, angeschrieben, doch ich hatte mein Profil dann vorübergehend deaktiviert. Als ich wieder online ging, stolperte ich über seine Nachricht und schrieb ihn einfach mal an. Er antwortete sofort und wir fingen bald an, uns auch abseits von match.com zu unterhalten. Dass er jünger war, merkte man ihm deutlich an, ebenso dass er nebenberuflich noch Bauer war. Er war sehr einfach gestrickt, sagen wir mal so. Doch ich versuchte es trotzdem, weil ich dachte, dass ich vielleicht meine Ansprüche zurückschrauben muss und jeder Mensch ja eine Chance verdient. Bereits kurze Zeit später trafen wir uns. Ein typisches Beispiel, dass man immer die vorteilshaften Bilder von sich ins Internet stellt. Ich erkannte ihn fast nicht. Zerschlissene, dreckige Jeans, eine Kapuzenjacke, die seinen Bierbauch nicht verdecken konnte. Er kam fast eine Stunde zu spät, mit der Ausrede, er wollte nach der Arbeit noch kurz duschen. Ich war kurz davor zu fragen, warum er das dann nicht getan hätte, als ich kapierte, dass er sich selbst als sehr reinlich und frisch geduscht ansah. Na ja, das kann ich nicht bestätigen. Ich bin bei weitem niemand, der auf Äußerlichkeiten achtet, es geht mir um den Menschen dahinter. Eins kann ich jedoch nicht leiden: wenn Leute ungepflegt riechen. Leider war dies hier genau der Fall. Er roch nicht ungewaschen, er stank. Das Date dauerte genau eine Stunde, dann war er wieder weg mit der Begründung, er habe Angst im Dunkeln in der großen Stadt Auto zu fahren. Doch ob man es glaubt oder nicht, er wollte sich erneut mit mir treffen. Und ich sagte zu, von wegen zweite Chance und so.

Bis zum nächsten Date herrschte reger Kontakt zwischen uns. Leider auf unterschiedlichen Niveaus. Derweil ich einfach reden und ihn kennen lernen wollte, verschickte er lieber Bilder von sich – Nacktbilder. Seiner Meinung nach so erregend, dass ich sofort zu ihm fahren und ihn vernaschen würde. Nein, das war nicht der Fall. An Selbstbewusstsein mangelte es ihm jedenfalls nicht.

Doch ich traf mich wirklich erneut mit ihm. Er hatte Spätschicht und ich fuhr deshalb Freitag spät abends zu ihm. Wie bereits gesagt, er wohnte in der tiefsten Provinz. Und ausgerechnet an diesem Wochenende fielen gefühlte 3 Tonnen Schnee. Ich habe kein Problem, bei Schnee Auto zu fahren doch das war kein Schnee mehr, das waren antarktische Verhältnisse. Die Straßen sind in der Gegend nicht beleuchtet, man fuhr stundenlang Serpentinen im Wald hoch und runter – ihr könnt es euch vorstellen. Im Stockdunkeln schlich ich mit 20 km/h durch den Schwarzwald. Ich hätte einfach umdrehen sollen. Na ja, auf jeden Fall kam er frisch von der Arbeit, war wieder ungepflegt und nur auf eins aus. Er ging duschen als ich ankam, und ich freute mich über die Lufterfrischung. Ich weiß nicht, wie manche Leute es schaffen, doch er kam aus der Dusche, die Frische hielt genau fünf Minuten und schon zog wieder der gewohnte Duft auf. Bei dem Wetter traute ich mir fahren nicht zu und wollte deshalb morgens wieder zurückfahren. Selbst Schuld. Ganz der perfekte Gastgeber fragte er am nächsten morgen noch: „Du trinkst doch keinen Kaffee und willst auch bestimmt kein Frühstück, oder? Sonst muss ich ja noch einkaufen!“ Ich lehnte dankend ab, packte meine Sachen und ging. Der Blick aus dem Fenster jedoch ließ mich erstarren – es hatte die ganze Nacht geschneit und ich konnte mein Auto nicht mehr entdecken, versteckt unter einer zwei Meter hohen Schneewehe. Ich war entsetzt und meinte nur, wie ich denn mein Auto da raus kriegen würde. Er meinte, ich sollte kurz warten und verschwand im Schlafzimmer. Ich dachte schon, er würde endlich seinen Mann stehen, sich anziehen und mir helfen. Cool, vielleicht ist er ja doch kein absoluter Reinfall. Dann hörte ich, wie etwas zerrissen wurde. Er kam wieder aus dem Schlafzimmer, reichte mir stolz zwei Stücke Pappe mit den Worten: „Hier, damit kriegst du dein Auto ganz schnell frei!“ Ich könnte schwören, mein Gesicht ist mir komplett entgleist. Er wollte mir nicht helfen? Die Sache war danach auch für mich endlich glasklar – Vollpfosten. Ich stampfte also durch den Schnee zu dem Berg, den ich für mein Auto hielt. Er stand derweil auf dem Balkon und sah mir zu. Mühsam machte ich mich an die Arbeit, was sich äußerst schwierig gestaltet, wenn man nur 1,63 Meter groß ist und nicht mal richtig an die Oberseite des Autos kommt. Na ja, auf jeden Fall dauerte es eine gute Stunde, bis ich einigermaßen raus kam. Da hörte ich von hinten noch den Kommentar in breitestem Schwäbisch: „Siehste, ging doch ganz einfach!“ Und da war die Sache für mich erledigt. Leider für ihn noch nicht. Ich bekam noch einige (appetitliche) Bilder, Nachrichten, Chatanfragen, Anrufe usw. Erst vor zwei Wochen konnte ich ihn endgültig abschütteln.

Ein weiteres Erlebnis will ich hier noch erzählen.

Nachdem ich es mit jüngeren Männern versucht hatte, ging ich einfach mal in die andere Richtung und verabredete mich mit älteren Männern. Auch hier geriet ich wieder an ein ganz besonderes Exemplar. Andreas war Anfang 40. Wir unterhielten uns eine Weile und trafen uns recht schnell. Das erste was mir auffiel, war, dass er aussah wie einer meiner Kollegen. Es lief soweit ganz gut und wir hatten viele Gesprächsthemen. Nach einer Weile sprach er mich auf Sex an, was meine Vorlieben wären usw. Ich erzählte nicht viel, da ich ihn ja noch kaum kannte, fragte ihn jedoch nach seinen aus Höflichkeit. Dies war gut, denn so sahen wir beide schnell, dass wir nicht direkt auf einer Wellenlänge lagen.

Ich möchte noch sagen, dass mir diese Vollpfosten auch bei jedem anderen Portal über den Weg hätten laufen können und ja auch sind. Mit match.com bin ich wirklich sehr zufrieden. Gut aufgebaut, strukturiert, übersichtlich und faire Preise. Dieser Artikel soll zeigen, dass man eben auch mal daneben greifen kann, aber ich habe auch schlussendlich meine Liebe über das Online-Dating kennengelernt.
Daher gebt bitte nicht gleich auf wenn es beim ersten Mal nicht klappt und nehmt euch genug Zeit. Erwartungsdruck ist nie gut!

Anna Müller

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